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01.02.2019 | 18:00 Uhr

AN DIE NACHGEBORENEN

Lieder aus dem Exil von Hanns Eisler und Bertolt Brecht   Gedichte zu Auschwitz   Veranstalter: Rosa-Luxemburg-Club Wendland

 

Dieser Abend verspricht interessant und vielleicht brisant zu werden: Es geht um Täter und Opfer, um Nazis, um Völker, die als nicht lebenswert tituliert worden waren. Und letzten Endes geht es auch um uns.

Die drei KünstlerInnen Julia Bathe, Gesang, Inés Fabig, Rezitation und Gerd Jordan, Klavier, präsentieren musikalische und literarische Kleinode. Das kleine Ensemble hatte am 20. Januar mit diesem Programm Premiere. Zu hören sind die Lieder des Komponisten Hanns Eisler, dem Meisterschüler und zeitweiligen Lieblingsschüler Arnold Schönbergs, die er nach den oft sehr kurzen, komprimierten Gedichten von Bertolt Brecht im Exil zwischen 1939 und 1945 schrieb. Hanns Eisler nannte seinen Liederzyklus Hollywood-Songbook“, später schien ihm der Name Hollywood Elegien“ passender.

Diese zwei „berühmten Unbekannten“ hatten Ende der Zwanziger und Anfang der Dreißiger Jahre zunächst große Erfolge feiern können. Die Lieder aus dieser Zeit kennt man noch, eines des bedeutendsten war das Solidaritätslied. Beide mußten aber Deutschland verlassen, als die Nazis an die Macht kamen. Ihre Werke wurden verboten, verbrannt, als entartet bekämpft.

Und nach der Befreiung von den Nazis? Dem einen wurde die Einreise in die Westzonen untersagt, unter Adenauerwurde er dann kaum gespielt: Bertolt Brecht kehrte 1948 nach Berlin (Ost) zurück und baute das in der DDR bald berühmte „Berliner Ensemble“-Theater auf. Der andere wurde totgeschwiegen und kaum gespielt, weil er die Nationalhymne der DDR nach einem Text von Johannes R Becher komponiert hatte. Er wurde einer der bedeutendsten Komponisten der Nachkriegszeit – nicht aber im Westen.


Präsentiert werden am 1. Februar von der Schauspielerin Inés Fabig auch Gedichte europäischer Zeitgenossen Brecht/Eislers, denen das Exil verwehrt blieb, die verhaftet, gefoltert, manche ermordet wurden. Heute benutzt man gern Begriffe wie Zivilisationsbruch, Holocaust oder Shoah, Das sind aber Begriffe, hinter denen man kaum noch entdecken kann, daß das von deutschen Nazis geführte mehrheitlich jubelnde Deutschland ALS STAAT systematisch die europäischen Juden tötete, die Roma und Sinti, die Homosexuellen und Zeugen Jehovas, auch hunderttausende Kommunisten und Sozialisten.

Wir haben uns daran gewöhnt, daß die allergrößte Zahl Ermordeter kaum genannt wird: Etwa 27 Millionen Russen, Weißrussen, Ukrainer, Bürger der damaligen Sowjetunion wurden getötet, ermordet. Den Opfern dieser historischen Verbrechen wollen die drei InterpretInnen ein künstlerisches Gedenken geben.

Am 27. Januarhrt sich die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz (1945).

Manche Lieder und Texte drücken Bedrohung und Furcht aus, andere wollen die letzten Hoffnungen aufspüren und bestärken. Eines der schönsten Gedichte ist von dem damals erst 18jährigen Ungarn Attila József (1905 - 1937): „Die zukünftigen Menschen“. Attila József nahm sich, als der ehemals kaiserliche General Horthi in Ungarn bereits 18 Jahre an der Macht war, Zehntausende ungarische Juden und Tausende Kommunisten ermordet worden waren, im Jahr 1937 sehr wahrscheinlich das Leben.

Die letzten Zeilen seines Gedichts lauten:


Die zukünftigen Menschen (Attila József)

Immer erwarten sie den unerwarteten Gast

und haben für ihn gedeckt

den Tisch und auch ihr Herz.

Möget ihr ihnen ähnlich sein

daß eure Kinder mit Lilienfüßen

unschuldig das Blutmeer durchschreiten,

das zwischen uns liegt und ihnen.

 

 

VERDO - Foyer

Einlass: 17:00 Uhr

Beginn: 18.00 Uhr

Eintritt: 6,00 €, erm. 3,00 €

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